IHS Hessen

Stellungnahme des Schulleitungsverbandes zu den Regelungen für die Bildung von Lerngruppen im Religionsunterricht

Die vorgesehenen Regelungen zur Bildung konfessionell-kooperativer Lerngruppen stellen aus Sicht des Schulleitungsverbandes einen wichtigen und grundsätzlich richtigen Schritt dar, um unter den Bedingungen von Lehrkräftemangel und zunehmender organisatorischer Komplexität den Religionsunterricht abzusichern. Insbesondere die Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen evangelischen und katholischen Lehrkräften wird ausdrücklich begrüßt.

Gleichzeitig zeigt sich in der schulischen Praxis, dass die Umsetzung mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist. Der hohe administrative Aufwand im Antragsverfahren, die notwendige Abstimmung mit Schulaufsicht und Kirchen sowie die eingeschränkte organisatorische Flexibilität erschweren eine pragmatische und bedarfsgerechte Lösung vor Ort. Auch die vorgegebene Mindestdauer von zwei Schuljahren kann angesichts dynamischer personeller Veränderungen problematisch sein.

Darüber hinaus greifen die Regelungen aus Sicht des Verbandes zu kurz, da sie die wachsende religiöse und weltanschauliche Vielfalt der Schülerschaft nur unzureichend berücksichtigen. Schülerinnen und Schüler islamischen Glaubens sowie konfessionslose Kinder und Jugendliche bleiben strukturell außen vor.

Der Schulleitungsverband regt daher an, die bestehenden Modelle perspektivisch weiterzuentwickeln. Denkbar wäre ein gemeinsames Unterrichtsfach „Religion, Werte, Philosophie“, das konfessionelle, interreligiöse und weltanschauliche Perspektiven verbindet. Ein solches Fach könnte einen wichtigen Beitrag zur Wertebildung, zum gegenseitigen Verständnis und zur gesellschaftlichen Integration leisten und gleichzeitig organisatorische Herausforderungen für Schulen reduzieren.

Fazit:
Die bestehenden Regelungen sind ein sinnvoller Ansatz, bedürfen jedoch einer Vereinfachung in der Umsetzung und einer inhaltlichen Öffnung. Ziel sollte ein zukunftsfähiges Modell sein, das sowohl den schulischen Rahmenbedingungen als auch der gesellschaftlichen Realität gerecht wird.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Leibold
Vorsitzender des Interessenverbandes Hessischer Schulleitungen